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Frances, A. (2017). Wer ist krank – und wer nicht? Die entscheidende Rolle psychiatrischer Diagnosen – und ihre gravierenden Mängel. Familiendynamik, 42 (2), 102-111.

Möglichkeiten und Grenzen psychiatrischer Diagnosen werden erörtert. Es wird dafür plädiert, im Bereich der psychischen Störungen wieder die Unsicherheit zu akzeptieren, die dem Thema angemessen ist, und der fortschreitenden Medikalisierung psychischen Leidens entgegenzutreten, da das menschliche Gehirn niemals so präzise erforscht werden kann, wie es manche Vertreter der biologischen Psychiatrie glauben machen wollen, und da außerdem soziale und gesellschaftliche Faktoren oft viel wichtiger sind als die individuellen Faktoren bei den Patienten, wenn es darum geht, Ausmaß und Verbreitung einer mit einer Diagnose bezeichneten Störung zu erklären. Am Beispiel der Diagnosen „Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität“ und „Posttraumatische Belastungsstörung“ wird gezeigt, welche historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, aber auch welche Marktmechanismen zur „Aufblähung“ einer Diagnose führen können. Viel ernster als die Diagnose sollten demnach das Verstehen der psychosozialen Faktoren, die mit der Störung zusammenhängen, sowie das Engagement für Verbesserungen der sozialen Situation der Betroffenen genommen werden.

PSYNDEX Literature & Audio Visual Media Accession Number: 0331595

https://doi.org/10.21706/fd-42-2-102


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