Startseite | Impressum | Kontakt

Linden, M. (2013). Können standardisierte Messverfahren das Gutachterverfahren im Rahmen der ambulanten Psychotherapie verbessern? Pro und Contra (Pro: Wolfgang Lutz & Luisa Zaunmüller; Contra: Rolf Meermann & Eberhard Okon). Verhaltenstherapie, 23 (1), 45-50.

Das Gutachterverfahren im Rahmen der Beantragung von Richtlinienpsychotherapie war von Beginn an umstritten. Ein Teil der Probleme kommt daher, dass dem Verfahren ein derart großes Spektrum an Funktionen zugeschrieben wird. Eigentlich sind die Psychotherapiegutachten nur ein Wirtschaftlichkeitsprüfverfahren und entbinden Psychotherapeuten von dieser Kontrollmaßnahme, die in der Kassenärztlichen Versorgung vorgesehenen ist. Mit diesem Verfahren lässt sich jedoch kein Geld einsparen, da bei Ablehnung eines Antrags auf Kostenübernahme der freie Therapieplatz sofort mit einem anderen Patienten besetzt wird. Das Gutachterverfahren ist insofern ein sozialmedizinisches Prüfverfahren der Notwendigkeit einer Therapie im Sinne des Sozialrechts, das heißt ein Verfahren der Ressourcenallokation. Es reserviert knappe Therapieplätze für die Patienten, bei denen eine Therapie sinnvoll erscheint, und die nicht anders betreut werden können. Ob das Gutachterverfahren diesen Effekt erfüllt, kann diskutiert werden, wenn man die sehr geringen Ablehnungsquoten und die langen Wartelisten bedenkt. Es bleibt noch die Aufgabe der Qualitätssicherung. Sozialrechtlich betrachtet sind Gutachter unter diesem Gesichtspunkt keine Supervisoren, sondern müssen die Zweckmäßigkeit und Spezifität des Therapieplans prüfen, d. h. sicherstellen, dass der Verhaltenstherapeut nach den Regeln der Kunst liefert, wenn die Krankenkasse Verhaltenstherapie bestellt und bezahlt. Ob dies erreicht wird, wird ebenfalls in Frage gestellt, mit dem Argument, dass die therapeutischen Berichte, auf denen die Gutachten basieren, zweckdienlich geschönt und realitätsfern seien. Vor diesem Hintergrund ist eine nahe liegende Frage, ob die Gutachten und deren Wirkungen durch den Einsatz von standardisierten Instrumenten und Rückmeldeprozessen verbessert werden können, oder ob dadurch alles nur noch komplizierter würde. In der vorliegenden Pro-Contra-Diskussion stellen die Autoren Wolfgang Lutz, Luisa Zaunmüller, Rolf Meermann und Eberhard Okon die zu berücksichtigenden Argumente dafür und dagegen kontrapunktisch einander gegenüber, um dem Leser eine eigene Urteilsbildung zu ermöglichen.

Digital Object Identifier:10.1159/000348812

PSYNDEX Literature & Audio Visual Media Accession Number: 0264194


Sie können Antworten zu diesem Beitrag mit dem RSS 2.0 feed verfolgen Beide Kommentare und Pings sind geschlossen.

AddThis Social Bookmark Button

Kommentare sind geschlossen.